Mit den Augen lächeln

Kommunikation und Interaktion auf neuer Ebene: Da der Mund durch die Maske bedeckt ist, gilt es die Augen zum Fenster der Seele zu machen...

Die Corona-Pandemie stellt uns immer noch vor Herausforderungen, die uns oftmals viel Anstrengung abnötigen. Der Fakt, dass Erwachsene die derzeitigen Bedingungen verarbeiten müssen und somit vor gewisse Hürden gestellt werden, steht außer Frage. Doch dass auch Kinder jeder Altersstufe mit den Veränderungen und Neuanpassungen zu kämpfen haben, rückt dabei gern in den Hintergrund.

Gerade zwischenmenschliche Aspekte haben unter der Distanz, die Corona mit sich bringt, enorm gelitten. Die Sprache, die auch für Kinder der prägnanteste Teil der Kommunikation ist, leidet dabei durch das Tragen der Maske am offensichtlichsten. Erschwerend kommt in diesem Zusammenhang hinzu, dass die Berührung, die Kindern Nähe und Geborgenheit vermittelt, durch den einzuhaltenden notwendigen Mindestabstand verhindert ist.

So kommt der zweite Bestandteil der sozialen Interaktion ins Spiel: Mimik und Gestik beschreiben den Teil der nonverbalen Kommunikation, der zum Tragen kommt, wenn die Sprache nicht ausreicht. Da der Mund durch die Maske vollständig bedeckt ist, gilt es, „die Augen zum Fenster der Seele zu machen“. Der Augenausdruck als Interaktionsmöglichkeit rückt deutlich mehr in den Fokus. Doch die Fähigkeit, Gefühle, Einstellungen und Wünsche mittels des Augenaufschlags Ausdruck zu verleihen, bedarf gerade bei Kindern Übung und Erfahrung.

Aufgrund dessen haben sich die Kolleg*innen der Klinik Alpenhof Gedanken gemacht, wie diese elementaren Aspekte der Kommunikation (verbal und nonverbal) geschult, gefördert und gefordert werden können. Dabei kommt uns die Motivation der Eltern und Kinder enorm entgegen: Denn für Erwachsene ist der Hunger nach Gesprächen, die sich nicht nur um Homeschooling drehen groß und Kinder verspüren den Drang, endlich wieder mit anderen Kindern spielen zu dürfen.

Im Schulkinderbereich wird vermehrt auf den verbalen Teil der Kommunikation gesetzt. So werden Spielformen in den Gruppenalltag integriert, die den Kindern vermitteln, wie wertvoll es gerade in dieser Zeit ist, Emotionen und Bedürfnisse klar auszudrücken. Sowohl das Gefühl der Freude als auch situationsbedingte Überforderung oder Wut können mittels der Sprache an das jeweilige Gegenüber weitergegeben werden. Dabei werden die Kinder darin geschult, aus der Ich-Perspektive ein Gefühl zu beschreiben und in dem Zuge gegenüber den Mitmenschen einen Wunsch zu äußern, wie die Situation verlaufen soll.

Bei den Kleinsten, die im Kindergarten gerade wertvolle Erfahrungen im sozialen Umgang lernen, liegt der Fokus vermehrt auf Gestik und Mimik. Deutliche Zeichen, erleichtern es den anderen Kindern, die Bedürfnisse des Gegenübers zu verstehen. Der gehobene Daumen als Zeichen der Anerkennung beispielsweise oder die offene Handfläche, die man seinem Gegenüber zeigt, als „Stopp“, dass mehr Distanz gewahrt werden soll und die momentane Situation abgebrochen werden muss.

Um sowohl nonverbale Kommunikation als auch verbale Verständigung zu fördern, wurde das altbekannte Gesellschaftsspiel „Tabu“ in seiner Nutzung erweitert: Ein wenig verändert wurde daraus ein Emotionsrätsel, das Kinder spielerisch in sozialer Interaktion schult.

Für die älteren Kinder gibt es die Aufgabe, die aufgelisteten Emotionen so zu umschreiben, dass der Rest der Gruppe erraten kann, um welches Gefühl es sich handelt. Die Jüngeren versuchen das Gefühl auf dem Kärtchen mittels Gestik und Mimik an die anderen zu vermitteln.

Diese Art der spielerischen Förderung ist in der Klinik nicht auf den Bereich der Kinderbetreuungbegrenzt. Auch im familiären Umfeld daheim kann das Emotionsrätsel zur Stärkung der Eltern-Kind-Interaktion genutzt werden. Denn je stärker das Band zwischen Eltern und Kindern, desto leichter fällt die Verständigung.