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"Der Krebs besiegt uns nicht, wir sind zusammen stark!”


Wie vier krebskranke Frauen und ihre Familien mit Hilfe einer Mutter & Kind-Kur
das Leben und das Lachen wieder lernten



"Zusammen stark" durch die Teilnahme an der Schwerpunktkur: Bettina S. (v.l.),
Heike W., Claudia C. und Stefanie G.
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Darf man über Krebs lachen? Eine Krankheit, die den Tod bringen kann? „Ja klar, bitte!”, sagen vier Frauen, die es wissen müssen. Sie haben unter Krebs gelitten: erst die Schock-Diagnose, dann das volle Therapie-Programm mit all seinen schrecklichen Nebenwirkungen, die ständige Todesangst im Nacken und die zermürbende Ohnmacht der Hilflosigkeit. Sie waren physisch und psychisch am Ende ihrer Kräfte. Doch an der Nordsee kam die Wende: eine Kur in der Mutter/Vater & Kind-Klinik Nordseedeich. Zum ersten Mal wurde dort im Frühjahr das Kurprogramm „Zusammen stark werden” für Mütter und ihre Kinder nach überstandener Krebserkrankung der Mutter durchgeführt. „Das Beste, was uns in dieser Situation passieren konnte”, sagt Claudia C. Sie ist eine der vier Frauen, die während dieser Kur das Lachen wieder lernte.

Das Leid der Mutter - Leidenszeit für die Familie

Denn Claudia C. (37) aus der Eifel verlor ihr Lachen, als sie im vergangenen Jahr die Diagnose Darmkrebs bekam und schnell operiert werden musste. Die Zeit im Krankenhaus nagte auch an ihrer Familie: Die Zwillinge Hannah und Mara (beide 5) und der durch das Down-Syndrom und Herzfehler gehandicapte Sohn Nils (9) zeigten Verlustängste, die Mädchen brachen regelrecht zusammen.

Diesen „fürchterlichen Zustand für die ganze Familie” erlebte auch Heike W. (49) aus Duisburg. Ihr Krebs hieß Non-Hodgkin, heimtückisch entartete Lymphknoten, die sich zwischen den Organen ausbreiten und schlimmer als bei einer Gelbsucht den ganzen Körper gelb färben. Chemotherapie war bei ihr die einzige Lösung. Ihre Familie lebte in Angst. Besonders Tochter Cassandra (10) - und trotzdem blieb das Mädchen immer fröhlich, damit Mutti nicht traurig ist. Auch dann noch, als sie in der Schule rüde gehänselt wurde, weil ihre Mutter eine Glatze hatte. „Ich habe erst im Nachhinein erfahren, was sie durchgemacht hat”, sagt Heike W.
Dass ihre Familie, ihre Kinder „funktionieren mussten”, weil ihr der Alltag aus dem Ruder lief, diese Erfahrung machte auch Bettina S. (49) aus Osnabrück. Bei ihr wurde Brustkrebs entdeckt: Chemo, OP, Bestrahlung, Medikamente - sie fühlte nur noch „Wut und Hass” auf ihren Körper. Ihre Kinder Anna (12) und Ben (7) spürten, wie bei Mama eine Schranke herabfiel, die auch für sie nicht mehr hochging.
"Alle denken ans Kinder kriegen, ich ans Sterben”, schildert Stefanie G. (34) aus Brandenburg ihre verzweifelte Zeit der Hilflosigkeit, des Ausgeliefertseins während ihrer schweren Brustkrebs-Therapie. Ihre Kinder Jonas (8) und Sonja (10), glaubte sie, hätten damals die Tragweite der Krankheit ihrer Mutter gar nicht so umrissen. Das war eine Fehleinschätzung.

Seelische Wunden: „Allein schaffen wir das nie!”

Den Krebs haben die vier Mütter überstanden, die Haare sind nachgewachsen, äußerlich sieht man ihnen die Krankheit nicht an. Aber die Wunden, die der Krebs in ihre Seelen und die ihrer Kinder geschlagen hat, heilten nicht. „Wir haben erst hinterher gemerkt, wie kaputt wir wirklich waren, was wir alles nicht wahrgenommen haben. Und dass wir es allein nicht schaffen würden”, schildert Heike W. Deshalb entschloss sie sich für die Mutter & Kind-Kur in der Klinik Nordseedeich. Sie wollte mit ihrer Tochter nach dem Krebs wieder zusammen stark werden. Ähnlich empfanden es auch die drei anderen Mütter: Nicht ohne unsere Kinder, mit der Familie gemeinsam wollten sie das Erlebte und Erlittene aufarbeiten. Und: Sie wollten keine typische „onkologische Anschlussbehandlung“, dafür fühlten sich die vier Frauen einfach zu jung. Für sie war das Mutter & Kind-Projekt „Zusammen stark werden“ daher ein „glücklicher Zufall“.
Die Schwerpunktkur „Zusammen stark werden” - ein in Zusammenarbeit mit der Rexrodt von Fircks-Stiftung speziell für Familien nach überstandener Krebsbehandlung der Mutter aufgelegtes Kur-Programm - ist nämlich neu an der Mutter/Vater & Kind-Klinik Nordseedeich, hat sich aber bereits an anderen Häusern des Klinikunternehmens Arbeitsgemeinschaft Eltern und Kind Kliniken bewährt.
Die drei Wochen in der Klinik Nordseedeich in der Abgeschiedenheit der Halbinsel Friedrichskoog sollten tatsächlich auch das Leben der vier Familien verändern.

Kleiner Luxus: Zeit für sich und Zeit füreinander

Die vier Mütter tauchten ein in eine andere Welt ohne Hektik und Stress. Alle vier Familien genossen den kleinen Luxus, endlich Zeit für sich und vor allem füreinander zu haben. Und die vier Frauen wurden in den drei Wochen zu Freundinnen: Sie verbindet das gleiche Schicksal. „In den Gruppengesprächen konnten wir uns vertrauen, unser Innerstes nach außen kehren. Ich fühlte mich von den anderen sofort verstanden”, schildert Stefanie G. Keine musste der anderen erklären, warum sie plötzlich erschöpft ist, jede konnte ihre Wut endlich mal herauslassen. Und sie konnten endlich wieder lachen - auch über sich selbst, auch über den Krebs. Der „schwarze Humor” nahm dem Krebs zumindest für den Moment den Schrecken. Doch auf Dauer fanden die vier Frauen eines wieder: ihre Fröhlichkeit, ihre Lebensfreude. Das spezielle Therapieprogramm trug schnell erste Früchte.

Kinder spürten: Mami ist plötzlich fit und fröhlich

Die Veränderung spürten auch ihre Männer und Kinder schon während der Kur. Die Kinder erlebten am Wattenmeer nicht nur drei spannende Wochen, sie erlebten endlich wieder, wie es ist, Kind zu sein und nicht funktionieren und sich organisieren zu müssen. Sie erlebten mit ihren neuen Freunden, dass sie nicht allein sind und andere ihre Sorgen teilten. Und sie erlebten, wie fit und fröhlich Mama plötzlich wieder ist!
Am Ende der Kur haben sich auch die Kinder der krebskranken Mütter verändert, fanden neuen Zugang zu den Eltern. „Wir sind tatsächlich zusammen stark geworden”, sagt Bettina S. „Und meine haben Rotz und Wasser geweint, als wir abreisen mussten. Dabei wollten sie erst gar nicht mit”, lacht Claudia C. Sie ist sich sicher: „Die psychischen Auswirkungen meiner Krankheit auf die Familie haben wir völlig unterschätzt. Ohne die therapeutische Begleitung und Hilfe in diesem Kurprogramm hätten wir es nicht geschafft, dies alles gemeinsam in den Griff zu bekommen.”

Drei Wochen, die das Leben der vier Familien nachhaltig veränderten

Heute sind die vier Frauen wieder im Alltag, als Hausfrau, Krankenschwester, Lehrerin und natürlich Mutter. Jede hat für sich viel aus ihrem Kuraufenthalt mit nach Hause genommen. Heike W. hat gelernt, auf sich zu achten und ihr Leben so zu gestalten, dass die Lebensqualität steigt. Sie hat in Friedrichskoog Techniken für den Alltag in Duisburg entdeckt, die ihre inneren Kraftquellen aktivieren und positive Räder bewegen, wenn sie wieder mal in ein tiefes Loch fällt.
Bettina S. hat erkannt, dass es ihr nach ihrer Krankheit besser ging als ihrer Familie und erst die Zeit und Gespräche auf „neutralem Boden” an der Nordsee Wut, aber auch Dankbarkeit zuließen. Heute spricht sie von „liebevollem und respektvollem” Umgang miteinander in der Familie, von Kraft und Lebensmut, die sie daraus schöpft.
Stefanie G. erfuhr, dass ihre Tochter doch nicht alles so einfach weggesteckt hatte, sondern für sich ganz andere Verhaltensmuster entwickelte, sich etwas zu Herzen zu nehmen. Sie selber sei ein anderer Mensch geworden: „Ich sehe vieles in einem anderen Licht und gehe das Leben entspannter an - auch im Umgang mit meiner Familie.”
Claudia C., die vor der Kur nicht mal mehr einen Wäschekorb heben konnte, greift jetzt regelmäßig zu den Nordic Walking-Stöcken und macht jeden Morgen Yoga. Vorher fühlte sie sich wie „ein Hamster im Rad”, jetzt hört sie auf ihre innere Stimme, die sagt, was wichtig für sie ist. Und ihre Kinder haben ihre Ängste verloren. „Sie sind fröhlicher, weil ich und mein Mann fröhlicher geworden sind”, sagt sie. „Jetzt nehmen wir uns bewusst Zeit füreinander.”

„Dem Krebs ins Gesicht lachen“

Die Spezial-Kur hat allen Vieren neue Türen geöffnet und die vier Mütter sind noch heute ständig in Kontakt, bauen sich gegenseitig auf, geben sich Ratschläge. Und alle vier sind in den drei Wochen Kur an ihrem Schicksal, mit dem sie zuvor gehadert haben, gewachsen. „Es klingt vielleicht komisch, aber wir vier Krebs-Familien waren schon ein ziemlich lustiger Haufen. Ich habe mein Lachen ja so sehr vermisst”, erzählt Claudia C. - und wird gleich darauf nachdenklich: „Bei Krebs denken die meisten gleich an Tod. Krebs heißt in unserer Gesellschaft, da darf keiner mehr lachen. Aber so darf man dem Krebs nicht begegnen, sonst hat er schon gewonnen. Man muss ihm ins Gesicht lachen. Uns besiegt er nicht, wir sind jetzt stark - zusammen!”



Nähere Informationen zur Schwerpunktkur „Zusammen stark werden“:

Innovative psychosoziale Nachsorge für Mütter und ihre Kinder nach überstandener Krebserkrankung der Mutter

Familien sind in der Zeit der Krebserkrankung eines Elternteils größtem Stress ausgesetzt. Kinder leiden psychisch besonders unter der Erkrankung der Mutter. Sie brauchen ebenfalls dringend Abstand von den Erlebnissen dieser schweren Zeit.
Die Schwerpunktmaßnahme „Zusammen stark werden“ in der Vater/Mutter & Kind Klinik Nordseedeich berücksichtigt die multifaktoriellen familiären Bedingungen, Ursachen und Auswirkungen einer Tumorerkrankung. „Daher steht nicht nur die Mutter, sondern im familientherapeutischen Sinne auch das Kind im Vordergrund”, erläutert der Klinik-Psychologe das spezielle Therapieprogramm.
Ziel der Kur ist, den Patienten Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität und Möglichkeiten der Krankheitsbewältigung zu vermitteln. Die Patienten werden motiviert, die Gestaltung ihrer wiedergewonnenen Zukunft aufzunehmen.
Für die möglicherweise traumatisierten Kinder ist eine ressourcenorientierte Begleitung vorgesehen, um sie für die Zukunft zu stärken und die oft negativen Erfahrungen besser bewältigen zu können.
Das therapeutische Programm für Erwachsene umfasst eine medizinische Aufnahmeuntersuchung und die Erstellung eines individuellen Therapieplans. Verschiedene Vorträge, ein psychologisches Aufnahmegespräch und Autogenes Training sowie ein individuelles Bewegungsprogramm tragen zur Verbesserung der Lebensqualität bei.
Für die Kinder werden eine psychologische Gesprächsgruppe, verschiedene Sport-, Bewegungs- und Entspannungstherapien angeboten.

Voraussetzung für die Teilnahme an dieser Kur ist, dass sich die Tumorerkrankung bei Aufnahme im Stadium der Remission befindet und die onkologische Behandlung sechs Monate vor der Aufnahme abgeschlossen sein muss.

Auskunft zur Schwerpunktkur „Zusammen stark werden“ im Rahmen einer
Mutter/Vater & Kind-Kur
erteilen Ihnen die Reservierungsmitarbeiterinnen der
Klinik Nordseedeich unter Tel. 04854/908-405.
Infos auch im Internet: www.mutter-kind.de