Ein Hoffnungsschimmer nach sieben Jahren Schmerz und Leid
Klinik Alpenhof schenkte alleinerziehender Mutter und ihrem
schwer kranken Sohn eine Auszeit
Diese Geschichte einer alleinerziehenden einer alleinerziehenden Mutter aus Unterfranken ging der Geschäftsleitung der Arbeitsgemeinschaft Eltern & Kind Kur-Kliniken unter die Haut: Das Würzburger „Volksblatt“ berichtete über das Schicksal der jungen Frau und ihres psychisch schwer kranken Jungen. Als auch noch zu lesen war, dass sie aus Angst um ihren Job nicht wagte, eine dringend notwendige Mutter & Kind-Kur in Anspruch zu nehmen, war für die Arbeitsgemeinschaft Eltern & Kind Kur-Kliniken klar: Diese Frau und ihr Sohn kommen zu uns! Eine Woche lang durften die junge Mutter und ihr kranker Sohn nun in der Klinik Alpenhof endlich einmal unbeschwerte Tage verbringen.
Denn das Leben der kleinen Familie ist alles andere als unbeschwert. Seit seiner Geburt nämlich leidet der Junge an einer unheimlichen psychischen Krankheit, deren Ursache und Typ bis heute nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnten. „Ihr Sohn ist ein sehr waches Kind“ hieß es nach der Geburt betroffen, als der Junge nicht mehr zu schreien aufhören wollte. Fast fünf Monate lang! Und dann ging auch noch die Beziehung der Eltern in die Brüche und Mutter und Kind standen über Nacht allein da - so begann ihr Leidensweg.
Junge kratzt sich blutig – Medikamente helfen nichts
Als der kleine Junge knapp ein Jahr alt war, verletzte er sich ständig selbst, schlug mit dem Kopf gegen die Wand, kratzte den Putz von den Wänden, bis die Finger bluteten. Die verzweifelte Mutter suchte Hilfe bei Erziehungsberatungsstellen, beim Kinderpsychologen. Die vage Diagnose: eine sehr ausgeprägte ADHS mit einer schweren Verhaltensstörung. Doch für entsprechende Medikamente war der Junge noch zu klein, lediglich eine Verhaltenstherapie sollte Abhilfe schaffen.
Im Alter von zweieinhalb Jahren bekam der Junge dann zum ersten Mal schwere Psychopharmaka - das Resultat war niederschmetternd: Die Medikamente halfen nicht! Als im Alter von fünf Jahren die Dosis erhöht wurde, brachte dies nur kurzzeitig Linderung.
Die Mutter hat weiterhin alles versucht, der Krankheit ihres Sohnes auf den Grund zu gehen: Erziehungsberatungsstellen, Jugendamt, Elterntraining, Ärzte, Klinikaufenthalte - keiner weiß Rat, keiner Hilfe, aber dafür jede Menge fade Vertröstungen. Die Mutter ist mit ihren Sorgen und Ängsten allein.
Soziale Isolation, seelischer Druck: Mutter am Ende ihrer Kraft
Heute ist der Junge sieben Jahre alt, kommt im Herbst in die zweite Klasse. Aber seine Mutter weiß schon jetzt, dass die enormen Probleme nicht abreißen werden. Denn die unheimliche Krankheit hat ein böses Gesicht: Aus heiterem Himmel verletzt sich der Junge selbst, schreit, kreischt, ist in keiner Situation zu bändigen, es kam auch schon vor, dass er andere Kinder angegriffen hat. Außerdem leidet er unter extremen Verlustängsten. Das tut der Mutter in der Seele weh. Der Druck durch soziale Isolation verstärkt ihre Ohnmacht: Die Nachbarn beschweren sich ständig, andere Eltern ebenso, Freunde hat der Junge keine, er ist am liebsten allein oder nur mit seiner Mutter zusammen.
Und die muss hilflos zusehen. Sie steht in ihrer Situation alleine da, ihre Eltern sind beruflich sehr eingespannt und wohnen nicht vor Ort. Der von ihr getrennt lebende Partner kümmert sich wenig - aber wenigstens seine Eltern sorgen für ihren Enkel, wenn sie arbeiten geht. „Mein Alltag ist äußerst schwierig zu handhaben. Manchmal möchte ich einfach nur weinen. Ich kann nicht mehr“, zittert die Mutter.
Chiemsee und Berge: Mutter und Sohn blühten auf
Dabei ist sie eine starke Frau, die mit aller Kraft für ihren Sohn sorgt und sich und ihre eigenen Bedürfnisse dafür hinten anstellt. Ihr Teilzeit-Job als Verkäuferin macht ihr Spaß, lenkt sie zumindest ein bißchen von ihrem schwierigen Alltag ab. Und sie braucht diesen Job, um weiter für ihren Sohn sorgen zu können. Die Angst, ihn zu verlieren, schwebt wie ein Damoklesschwert ständig über ihr. Darum stellte sie auch keinen Antrag auf eine Mutter & Kind-Kur, obwohl ihr eine solche schon längst geraten wurde, weil sie am Ende ihrer Kräfte ist.
Die Arbeitsgemeinschaft Eltern & Kind Kur-Kliniken, die bereits seit fast zwanzig Jahren in ihren zehn Kliniken Mutter/Vater & Kind-Kuren durchführt, hat ihr und ihrem Kind nun eine solche Auszeit vom Alltag ermöglicht und beide für eine Woche in die Klinik Alpenhof am Chiemsee eingeladen - zur Erholung von einem sieben Jahre dauernden Leben in Schmerz und Verzweiflung. „Das Schicksal der Familie hat uns sehr berührt”, sagt Annegret Obermaier, die Klinikleiterin, „deshalb wollten wir der Mutter und ihrem Sohn einfach etwas Gutes tun.”
Das hat sich gelohnt: Schon nach wenigen Tagen blühte die Mutter auf, sah man endlich ein Lächeln in ihrem Gesicht. Und der Junge war so ganz anders als zuhause, fühlte sich wohl in den Bergen und auf den grünen Wiesen vor der Klinik, direkt am See. Denn er liebt die Freiheit. „Nichts ist schlimmer für ihn, als in kleinen Räumen sein zu müssen”, freut sich die Mutter für ihn. Die Ausflüge auf die Fraueninsel und Herrenchiemsee sowie auf die Kampenwand waren ein Erlebnis für die beiden - und haben auch ein bisschen Überwindung gekostet, denn noch nie waren sie in den Bergen, sind noch nie mit einer Gondel so hoch hinauf gefahren.
Bange Frage bleibt: „Was ist nur los mit meinem Kind?”
Die Mutter fand Zeit für sich, während der Junge im Kindertreff betreut wurde. Und sie fand Zeit für ihren Sohn. „Endlich einmal”, atmet sie auf. Mit jedem Tag in der Klinik Alpenhof wuchs in ihr neue Kraft und neue Hoffnung, dass irgendwann das Leid ein Ende haben könnte. Deshalb wünscht sie sich für die Zukunft: „Meine innere Ruhe zu finden, abschalten zu können, das wäre schon ein großer Fortschritt für mich. Ein weniger stressiges Leben, mit weniger Druck von allen Seiten - das würde mir schon reichen. Und endlich eine Antwort auf die Frage, was meinem Kind nun wirklich fehlt.“
Dass diese Antwort nach nun sieben Jahren gefunden wird, darauf ruht alle in den sieben Tagen am Chiemsee neu gewonnene Hoffnung der Mutter: Ihr Sohn muss jetzt erneut für vier bis sechs Wochen in eine spezielle Klinik. Dort soll genau nach den Krankheitsursachen geforscht werden. Denn nur dann kann ihm und seiner Mutter geholfen werden.